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Diagnosefindung im Ayurveda Diagnosefindung - Zusammenfassung: Die ayurvedische Diagnosefindung gliedert sich in zwei Teile: Die Untersuchung des Menschen als Ganzes (Rogi-Parìksà) und die Untersuchung der Krankheit (Roga-Parìksà). Ein Hauptgewicht liegt in der Bestimmung der Konstitution und damit in der Frage nach dem ganz individuellen Gesundheitszustand. Die Konstitution ergibt sich aus den unterschiedlichen Anteilen der 3 Dosas bei Geburt und dient als Grundlage für individuelle Ernährung, Maßnahmen zur Lebensführung und weist auch hin auf die Disposition zu bestimmten Erkrankungen. Eine Erkrankung entsteht aus einer Abweichung von der Konstitution und zeigt sich in einer veränderten Verteilung der 3 Dosas. So wird ein besonderes Augenmerk auf die aktuelle Konstellation der 3 Dosas gelegt. In diesem Artikel wird sowohl der philosophische Hintergrund, in den die Diagnosefindung eingebettet ist, beschrieben, als auch ein Überblick über das konkrete Vorgehen gegeben. Von besonderer Wichtigkeit sind die 10-teilige Untersuchung nach Caraka und die 8-teilige Untersuchung, die im Yogaratnàkara (ca. 17. Jahrhundert) beschrieben wurde. In der ayurvedischen Medizin gibt es keinen allgemeingültigen Gesundheitsbegriff. So hat jeder Mensch ein anderes optimales Gewicht, mit dem er sich wohl und gesund fühlt, braucht andere Nahrungsmittel, die stärkend sind und andere Lebensumstände, die wohl tun. Der ganz individuelle Gesundheitszustand wird mit dem Begriff „Konstitution“ beschrieben. Ein Hauptgewicht der ayurvedischen Diagnosefindung liegt in der Feststellung der Konstitution. Diese ergibt sich aus der individuellen Konstellation der 3 Dosas Vàta, Pitta und Kapha bei Geburt. Es gibt 10 mögliche Konstitutionstypen, die aus den unterschiedlichen Anteilen der 3 Dosas entstehen. Über die Konstitutionsbestimmung schließt man auf eine individuelle Ernährung, die verträglich ist, auf allgemeine Maßnahmen zur Lebensführung und auch auf die Disposition zu bestimmten Erkrankungen. Auch bei einer Erkrankung wird zuerst die Konstitution bestimmt und damit der individuelle Gesundheitszustand beschrieben. Eine Erkrankung zeigt sich durch eine Abweichung von der Konstitution und damit in einer veränderten Verteilung der 3 Dosas. So wird als zweites das aktuelle Verhältnis der 3 Dosas zueinander bestimmt. Dies geschieht über die Anamnese, die körperliche Untersuchung und vor allem über die Pulsdiagnose (Nadi Parìksà) und erst im zweiten Schritt wird auf die Krankheit (Roga-Parìksà) eingegangen. Diagnosefindung - Philosophische Grundlagen In den alten indischen Philosophiesystemen, v.a. dem Nyaya-Vaisesika-System der indischen Philosophie finden sich detailliert beschriebene Möglichkeiten, Wissen und Erkenntnisse zu erlangen. In diesen Hintergrund eingebettet ist auch die Diagnosefindung im Ayurveda. Es gibt 4 Erkenntnismittel (Pramana), die zur Diagnosefindung und zur Planung des Therapeutischen Vorgehens genutzt werden:
I. Pratyaksa
– Sinneswahrnehmung
Die Untersuchung über die Sinnesorgane
geschieht mittels: Die geschmackliche Untersuchung wird heute durch Laboruntersuchungen ersetzt. II. Anumàna – Schlussfolgerung Aus der körperlichen Untersuchung können Schlussfolgerungen gezogen werden.
Theoretisch unterscheidet man: So lässt die Beobachtung von Fliegen an Urin oder Blut auf den Zuckergehalt schließen, über Appetit und Stuhlgang wird der Zustand des Verdauungsfeuers (Agni) bestimmt, die Fähigkeit zu Bewegungen gibt Hinweise auf die körperliche Kraft, die Klarheit der Wahrnehmung auf den Zustand der Sinnesorgane, der Umgang mit Stress auf die psychische Belastbarkeit u.v.m. III. Sabda – Sprache
Das über die Sprache vermittelte Wissen wird
auf drei Wegen erlangt: IV. Yukti – Kombiniertes Vorgehen Der Therapieplan entsteht aus dem Zusammenkommen von Wahrnehmung, instrumentellen Untersuchungen, Technik und Erfahrung und ist das Resultat von logischen Schlüssen. Wie sieht die Anamnese nun konkret aus? Im Vordergrund steht die Untersuchung des Patienten (Rogi-parìksà) und erst in zweiter Linie wird auf die Krankheit eingegangen (Roga-parìksà). So ist die erste Frage, die man sich stellt: Wie sieht der Mensch aus, wenn er gesund ist?
Die 10-teilige Untersuchung nach Caraka
beschreibt das Vorgehen (Caraka-Samhità, Zehnteilige Untersuchung (Dasavidha Parìksà) I. Prakrti – Konstitution Die Konstitution beschreibt den individuellen Gesundheitszustand des Menschen und ergibt sich aus dem Verhältnis der 3 Dosas zueinander. Es gibt 10 mögliche Konstitutionen (V, P, K, VK, KV, PV, VP, PK, KP, KPV), die sich in bestimmten körperlichen, seelischen und geistigen Merkmalen zeigen. Außerdem gibt die Konstitution Hinweise auf die Disposition zu bestimmten Erkrankungen. II. Vikrti – Störung, Ungleichgewicht Vikrti beschreibt die Abweichung von der Konstitution. Man beschreibt die aktuelle Dosa-Verteilung und findet heraus, welche Elemente und Gewebe betroffen sind. III. Sàra – Essenz, Vitalität der Gewebe Es gibt sieben Arten der Gewebe (Dhatu), die aus einander entstehen, (Rasa-Plasma, Rakta-Blut, Mamsà-Muskel, Meda.Fett, Asthi.Knochen, Majja-Knochenmark, Sukra-Fortpflanzungsgewebe) deren Qualität überprüft wird. IV. Samhanana – Festigkeit, Körperbau V. Pramana – Körpermaße, Proportionen VI. Satmya – Zuträglichkeit, Anpassungsfähigkeit Satmya beschreibt das Spektrum von Substanzen und Nahrungsmitteln, die vom Körper gut vertragen werden, die zuträglich sind. VII. Sattva- Psychische Stärke Sattva beschreibt die psychische Ausgeglichenheit, die sich zeigt in der Fähigkeit, mit Stress und Belastungssituationen umzugehen. VIII. Aharasakti – Verdauungskraft Aharasakti wird über den Appetit und Stuhlgang ermittelt IX. Vyayamasakti – Bewegungskraft, Körperkraft X. Vayas – Alterstufe Seit dem 13. Jahrhundert wandeln sich diagnostische Vorgehensweisen. Dies gipfelt in der sogenannten 8-fachen Untersuchung (Astasthana Parìksà), die im 17. Jahrhundert in einem Werk mit dem Titel Yogratnakara (etwa: „Ozean der arzneilichen Zubereitungen“) systematisch beschrieben wird. Hier findet sich mit der Pulsdiagnose auch die wohl berühmteste ayurvedische Diagnosemethode, die im 13. Jh. In der Sarngadhara-Samhita („Sammlung der Samgadhara“) das erste Mal vollständig schriftlich festgehalten wurde. Achtteilige Untersuchung (Astasthana Parìksà) I. Nàdi Parìksà – Pulsdiagnose Die Bedeutung von Nàdi ist Schlauch, Kanal, durch den etwas fließt.
Das Besondere am Puls ist, dass er sowohl
stabile, konstitutionelle Merkmale aufweist, als auch unmittelbar auf jede
körperliche oder seelische Veränderung reagiert. Man kann also sowohl
Informationen über die Geburtskonstitution als auch über die aktuelle
Konstellation der
Dosas und damit das Ungleichgewicht ablesen. Außerdem gibt es
Hinweise auf einzelne Organsysteme, die Schwere der vorliegenden Erkrankung und
auf die Lebenskraft allgemein. Der Puls sollte möglichst unbeeinflusst von
physiologischen Tätigkeiten getestet werden, der beste Zeitpunkt ist morgens,
unmittelbar nach dem Aufstehen.
Der
Vàta-Puls
ist schmal und fadenartig, von geringem Volumen und kleiner Spannung. Die
Bewegung ist gleitend, evtl. etwas unregelmäßig und ähnelt der Bewegung einer
Schlange. Der stärkste Anschlag befindet sich unter dem Zeigefinger. Die
Frequenz ist schnell, mit ca. 80 und mehr Pulsschlägen in der Minute. II. Mala-Parìksà – Untersuchung des Stuhlgangs Der Stuhl gibt Aufschluss über den Zustand der Dosas und Gewebe, des Verdauungsfeuers (Agni) und die Stoffwechselbelastung mit Schlackenstoffen (Ama). III. Mutra-Parìksà – Untersuchung des Urins Aufschluss geben die Häufigkeit und Menge bei der Miktion sowie die Farbe des Urins. Eine seltene und voluminöse Miktion weist hin auf verstärktes Kapha, während bei hohem Vàta eine häufige Miktion mit nur geringen Mengen zu finden ist. Auch eine Urinanalyse mittels eines Öltropfens wird beschrieben. IV. Jihva-Parìksà – Untersuchung der Zunge
Die Zunge liefert wertvolle Informationen über
die
Tridosas, Agni und Stoffwechselbelastung, den Zustand des Plasma (Rasa) und
des Blutes (Rakta). V. Sabda – Stimme
Der Vàta-Typ spricht schnell, manchmal
gebrochen und unbeherrscht, gelegentlich heiser. Das Klangbild ist uneinheitlich
und ohne Rhythmus. VI. Sparsa Parìksà – Untersuchung über Berührung Die Untersuchung der Haut gibt Hinweise auf den Zustand der Dosas. Ist sie kalt, warm, trocken, ölig, rau oder fein und geschmeidig. (Sùtrasthàna 1.59-61). VII. Drk Parìksà – Untersuchung der Augen
Vàta-Augen sind klein und rundlich, mit einem
unsteten Blick. Bei Störungen erscheinen sie rau und stumpf. VIII. Akrti – Gestalt
Beachtet werden der Ernährungszustand, die
Körperstruktur und der Gang. Roga Parìksà – Untersuchung der Krankheit
1.
Nidana – Ursächliche Faktoren Ausblick Die praktische Bedeutung der Konstitutions- und Dosabestimmung kann nicht überschätzt werden. Es ergeben sich individuell abgestimmte Möglichkeiten, die Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen. Krankheiten können schon im Frühstadium als ein Dosa-Ungleichgewicht erkannt und behandelt werden. So sind die Möglichkeiten, die der Ayurveda im Bereich der Gesundung und der Gesundheitsoptimierung bietet, auch im Hinblick auf Kostenersparnisse im Gesundheitswesen, von beachtlicher Bedeutung. E-mail: info@ayurveda-klinik.de Adresse: Ayurveda-Klinik Kassel, Habichtswald-Klinik, Wigandstrasse 1, D-34131 Kassel. Sybille Wydra (Dr. Kalyani Chopra, Leitende Ärztin der Ayurveda-Klinik Kassel) LITERATUR
CHARAKASAMHITA BY AGNIVESA,
Revised by CHARAKA and DRIDHABALA with the Ayurveda-Dipikà Commentary of
Chakrapànidatta, edited by Vaidya Jàdavji Trikamji Achàrya. 3rd
edition, (Nirnaya Sagar Press) Bombay 1941
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